Welche Faktoren beeinflussen die Reichweite von Elektrofahrzeugen?

Die Reichweite von Elektrofahrzeugen wird durch den NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) ermittelt. Auch wenn sich diese Werte hervorragend eignen, um Fahrzeuge miteinander zu vergleichen, sind die Werte meist realitätsfern. Beispiel Tesla Model S85: Während laut NEFZ eine Reichweite von 501 Kilometern attestiert wird, sind in der Praxis meist um die 350 Kilometer zu erreichen. Diese Diskrepanz entsteht, da das alltägliche Fahrverhalten von den Abläufen des NEFZ abweicht. Beim NEFZ wird 1.180 Sekunden geprüft, davon entfallen zwei Drittel auf städtische und ein Drittel auf außerstädtischen Bedingungen. Der NEFZ kann nur Durchschnittsbedingungen als Vergleichsgrundlage heranziehen, nie jedoch die persönliche Fahrweise oder andere temporäre oder individuelle Faktoren berücksichtigen.  In diesem Artikel gehen wir auf Spurensuche und wollen erläutern, welche Faktoren einen Einfluss auf die Reichweite von Elektrofahrzeugen haben können.

Geschwindigkeit

Die Geschwindigkeit hat einen großen Einfluss auf die Reichweite von Elektrofahrzeugen. Generell gilt: Je schneller das Fahrzeug bewegt wird, desto geringer ist die Reichweite, da entsprechend mehr Energie benötigt wird. Durch langsames Fahren kann die Reichweite stark verbessert werden. Was zunächst absurd klingt, wird Realität: Wer langsamer fährt, kommt oftmals schneller ans Ziel.

Witterung      

Witterungseinflüsse haben ebenfalls einen nicht zu verachtenden Einfluss auf die Reichweite. Bei Regen steigt der Rollwiderstand der Reifen nicht selten um ca. 25 Prozent. Auch Nebel hat einen negativen Effekt auf die Fahrzeugreichweite, da auch hier – wenn auch weniger stark als bei Regen – der Rollwiderstand steigt. Bei starkem Wind muss ebenso mit einer Verkürzung der Reichweite gerechnet werden.

Klimatisierung

Die Klimaautomatik hat in der Regel einen hohen Verbrauch und verkürzt die Reichweite stark. Es ist deshalb ratsam, das Fahrzeug vor Fahrtantritt vorzukühlen bzw. zu lüften. Die Heizung hat einen hohen Verbrauch, außer das Fahrzeug hat eine Wärmepumpe verbaut (z.B. Renault Zoe). Im Winter sollte das Fahrzeug per Heizung vorgeheizt werden, dann die Heizung aus- und die Sitzheizung eingeschaltet werden. Schließlich verbraucht die Sitzheizung vergleichsweise sehr wenig Energie.

Temperatur

Die Umgebungstemperatur hat ebenfalls einen starken Einfluss auf die Reichweite von Elektromobilen. Bei Kälte verlieren die Batterien an Kapazität – der Kapazitätsverlust kann eingeschränkt werden, wenn das Fahrzeug über die Möglichkeit verfügt, die Batterien zu erwärmen. Im Winter ist zudem mehr Elektronik im Einsatz, etwa die Heizung, Sitz- und Scheibenheizung, Abblendlicht, etc.

Topografie

Bei Steigungen muss selbstverständlich mit einem Reichweitenverlust gerechnet werden. Geht es bergab, kann durch Rekuperation Energie generiert und gespeichert werden. Je nach Fahrzeug unterscheidet sich die maximal durch Rekuperation erzeug- und speicherbare Energiemenge.

Straßenbelag

Der Straßenbelag- und Zustand beeinflusst den Rollwiderstand und hat einen messbaren Einfluss auf die Reichweite.

Gewicht

Das Fahrzeuggewicht beeinflusst die Reichweite, ein hohes Gewicht wirkt sich negativ auf die Reichweite aus. Denn wer mehr Masse bewegen möchte, benötigt hierzu auch mehr Energie.

Rekuperation

Moderne Elektrofahrzeuge gewinnen durch Rekuperation elektrische Energie zurück. Das wirkt sich positiv auf die Reichweite der Fahrzeuge aus. Beim Tesla Model S macht sich dies beispielsweise dann bemerkbar, wenn man den Fuß vom Gas nimmt.

Batteriekapazität

Von Natur aus verlieren wiederaufladbare Batterien mit der Zeit an Kapazität – nicht nur bei Elektrofahrzeugen. Es lohnt sich, die Garantiebedingungen der Hersteller zu studieren. Beim Renault Zoe kostet die Batterie ca. 8.000 Euro – der Hersteller gewährt eine achtjährige Garantie darauf (alternativ 160.000 Kilometer), dass die Kapazität bei mindestens 66 Prozent liegt. Tesla bietet generell acht Jahre Garantie auf Batterie und Antriebsstrang (ohne Kilometerbeschränkung). So müssen sich keine Gedanken über die Batteriekapazität gemacht werden – ist die Batteriekapazität deutlich gesunden, greift der Garantieanspruch.

Räder

Die Wahl der Reifen und Felgen kann die Reichweite beeinflussen, da sie den Roll- bzw. Luftwiderstand beeinflussen. Es gibt verschiedene „Energiesparreifen“ auf dem Markt, die einen reduzierten Rollwiderstand aufweisen. Diese eignen sich insbesondere für langsame Fahrten, der relative Wirkungsgrad bei Überlandfahrten beispielsweise sinkt. Auch besteht ein Unterschied zwischen Sommer-, Ganzjahres- und Winterreifen. Reine Sommerreifen haben einen geringeren Rollwiderstand als Ganzjahres- oder Winterreifen. Größere Räder und breitere Reifen wirken sich in der Regel auch negativ auf die Reichweite aus – so ist die Reichweite bei entsprechend passender Bereifung mit 19-Zoll-Felgen größer als bei den 21-Zoll-Turbine-Felgen.