Warten auf das Model 3? Alternative Gebrauchtwagenkauf Tesla Model S

Tesla erweitert sein Portfolio um das Model 3, welches ab Mitte 2017 produziert und ab Mitte 2018 oder später nach Deutschland ausgeliefert werden soll. Zunächst erhalten Tesla-Mitarbeiter erste Fahrzeuge, um diese zu testen. Danach erfolgt die Auslieferung an der US-West-, danach an der US-Ostküste. Nachdem das Fahrzeug in Asien ausgeliefert wird, folgt der europäische Markt. Das Fahrzeug ist schon jetzt in Deutschland vorbestellbar, dafür wird eine Vorauszahlung in Höhe von 1.000 Euro verlangt. Im August 2017 sollen 100 Fahrzeuge produziert werden, im Dezember 2017 sollen es dann schon 20.000 Fahrzeuge sein. Im Jahr 2018 sollen 500.000 Tesla Model 3 vom Band laufen. Es bleibt zu hoffen, dass die Zulieferer auf die Produktionsgeschwindigkeit vorbereitet sein, denn zwei Drittel der ca. 10.000 Bauteile stammen von US-Zulieferern – Lieferengpässe könnten zu drastischen Verzögerungen in der Produktion führen. Wer also jetzt Tesla fahren möchte, ohne bis Mitte oder sogar Ende 2018 zu warten, sollte sich für ein gebrauchtes Model S entscheiden. Viele Fragen bleiben bezüglich des Model 3 offen: Wie teuer wird das Fahrzeug in Europa genau sein? Welche Grundausstattung wird geliefert? Welche Technik kann gegen Aufpreis erworben werden und was kostet diese? Bisher ist nur bekannt, dass das Fahrzeug eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern haben wird, gegen 9.000 US-Dollar Aufpreis soll eine Batterie mit einer Reichweite von maximal 500 Kilometern erzielt werden können. Die Angaben orientieren sich an praxisnahen Vorgaben der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA. Spannend wird es zu beobachten, wie weit der Tesla Model 3 im NEFZ und im Alltagsgebrauch kommt. Bekannt ist auch, dass das Model 3 in unter sechs Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen kann, fünf Sitzplätze für Erwachsene und einen Autopilot bietet sowie eine 5-Sterne-Sicherheitsbewertung (NCAP) erzielen soll. Viele fragen sich deshalb? Lohnt es sich, das Model 3 von Tesla vorzubestellen? Oder stellt der Gebrauchtkauf des Tesla Model S eine smartere Alternative dar? Wir haben den Faktencheck gemacht und erläutern, was für und gegen das Warten auf das Model 3 von Tesla spricht. Eins steht jedoch fest: Das Tesla Model S wird ein modernes Elektroauto werden, welches mit einer vergleichsweise reduzierten Grundausstattung aufwartet. Das elektrische Fahren mit diesem Fahrzeug wird Freude bereiten, den Komfort und die Reichweite des Model S wird es aber nicht erreichen.

Das spricht für das Warten auf das Model 3:

  • Kaufpreis

Das Fahrzeug soll für ca. 35.000 US-Dollar verfügbar sein, das wäre ein äußerst attraktiver Preis. Im Vergleich zum Tesla Model S könnte man gleich zwei Fahrzeuge erwerben. Ein genauer Preis für Europa steht jedoch noch nicht fest. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Tesla Model 3 in Deutschland 35.000 Euro kosten wird. Der US-Preis wird stets ohne „sales taxes“ angegeben, die in etwa der deutschen Mehrwertsteuer entspricht. Ein realistischer Preis für Deutschland setzt sich so zusammen: 35.000 US-Dollar in Euro (Stand 08/2017) = ~ 29.875 Euro zzgl. 19% Mehrwersteuer = 35.551,21 zzgl. EU-Zulassung. Ein Startpreis könnte also leicht bei 40.000 Euro liegen – ohne großartige Extras. Mit Vollausstattung dürfte der Preis also bei mindestens 48.000 Euro liegen – vorsichtig geschätzt.

  • Besser für den Stadtverkehr geeignet

Das Tesla Model 3 ist kleiner als das Model S, daraus ergeben sich mehr Wendigkeit und eine einfachere Parkplatzsuche. Das Model 3 sollte besser für den in Europa typischen Stadtverkehr geeignet sein, bei Überlandfahrten könnte es – auch wegen der vermutlich deutlich geringeren Reichweite – problematischer werden.

  • Innovationen

Der Tesla Model 3 könnte mit einigen Innovationen aufwarten, die bei einem gebrauchten Tesla Model S nicht nachrüstbar sind. Dazu zählt beispielsweise der Autopilot. Als der Autopilot von Version 1 auf Version 2 aktualisiert wurde, war dies nur über Hardwareänderungen möglich. So könnte es auch beim Model 3 passieren, dass das Fahrzeug mit im Vergleich zum Autopilot 1 / 2 neuer Hardware aufwartet. Diese könnte dem Model S-Autopiloten Konkurrenz machen und erst bei neuen Model S verfügbar sein. Auch der auf der Präsentation sichtbare Touchscreen im Querformat wird wohl nur im Tesla Model 3 verbaut werden – über genaue technische Spezifikationen ist nichts bekannt.

Das spricht gegen das Warten und für ein gebrauchtes Model S:

  • Preis-Leistungs-Verhältnis gebrauchter Tesla Model S

Gebrauchte Tesla Model S haben ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein Tesla Model S kann jederzeit – ohne Wartezeiten – gekauft werden. Gebrauchte Tesla Model S gibt es schon für unter 60.000 Euro – inklusive Mehrwertsteuer. Da der Preis des Model 3 für Europa noch nicht bekannt ist, könnte der Neukauf des Model 3 sogar nur unwesentlich günstiger sein als der Model S-Gebrauchtkauf.

  • Reichweite / Akku

Es ist nicht bekannt, mit welcher Batterie der Tesla Model 3 ausgeliefert wird. Denkbar ist eine 60-kWh-Batterie. Es ist nicht vorstellbar, dass die Reichweite des Model S erzielt werden kann, denn das würde ein geordnetes Tesla-Portfolio unmöglich machen. Tesla gibt an, eine Reichweite von bis zu 345 Kilometern ermöglichen zu wollen – gemäß den Standards der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA. Das günstigste Modell wird diese Reichweite aber niemals bieten. Die Ladezeit dürfte im Vergleich zum Model S langsamer sein, denn kleinere / vollere Akkus laden proportional langsamer.

  • Garantie

Tesla gewährt beim Model S und Model X eine Garantie auf Batterie und Antriebsstrang, die acht Jahre ab Erstzulassung gilt. Die Vollgarantie gilt bis 80.000 Kilometer oder vier Jahre. Viele Gebrauchtfahrzeuge haben noch eine ausgezeichnete Restgarantie, die beim Neukauf des Tesla Model 3 nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Beim Tesla Model 3 wird die Garantie auf Batterie und Antriebsstrang je nach gewählter Batterie auf 100.000 bzw. 120.000 Meilen limitiert sein (ca. 160.000 bzw. 190.000 Kilometer).

  • Unklarheiten

Viele Fakten zum Tesla Model 3 sind schlichtweg unbekannt, der Hersteller hält sich bedeckt. Das führt zu Unklarheiten: Obwohl das Fahrzeug vorbestellt werden kann, ist noch unklar, was überhaupt gekauft wird. Entspricht das Model 3 nicht den individuellen Vorstellungen, kann es eine große Enttäuschung geben, gewartet zu haben. Es sollte klar sein, dass das Fahrzeug zum EU-Marktstart in einer abgespeckten Variante ausgeliefert wird, es wird auch nicht alle Extras sofort geben.

  • Ausstattung

Viele Informationen zur Ausstattung sind unbekannt. Der US-Preis des Tesla Model 3 lässt aber erahnen, dass gespart werden muss. Auf Qualität wird man beim ersten „Massen-Tesla“ wohl nicht verzichten wollen, dafür aber an einigen der zahlreichen Annehmlichkeiten, die das Model S bietet. Das Präsentationsfahrzeug zeigte, dass ein Informationsdisplay am Armaturenbrett fehlte, es gab lediglich einen Bildschirm an der Mittelkonsole, der im Querformat montiert war. Für ein Fahrzeug, welches irgendwann vollautonom fahren soll, ist ein zweites Display auch nicht unbedingt notwendig. Die Karosserie ist aus hochfestem Stahl statt Aluminium gefertigt. Außerdem scheint sicher, dass die Türgriffe nicht elektrisch ausfahren. Denkbar ist auch, dass die Sitze weniger Konfigurationsmöglichkeiten bieten. Die Grundvariante wird keinesfalls mit dual motor vertrieben werden, Allrad wird es nur gegen Aufpreis geben – wenn überhaupt. Wie die Ausstattung also konkret ausgestaltet wird, ist unklar. Es ist nicht bekannt, welche Ausstattungsmerkmale das Basismodell bietet und welche Ausstattungsmerkmale oder Pakete hinzugekauft werden können. Es scheint wahrscheinlich, dass einige Ausstattungsmerkmale dem Tesla Model S vorbehalten sein werden, der weiterhin das „Flagship“ des Konzerns bilden wird. Es bleibt abzuwarten, inwiefern der Tesla Model 3 ein „Tesla Model S light“ werden wird. Ende Juli 2017 sagte Musk im Rahmen der Handover-Party, bei denen die ersten 30 Fahrzeuge größtenteils an Mitarbeiter übergeben wurden: „Die Schwierigkeit beim Modell 3 bestand darin, die Anzahl der Bauteile runterzuschrauben, das Design leicht zu halten und dennoch ein günstiges Auto zu bauen.“

  • Komfort

Das Model S sollte vor allem bei Überlandfahrten durch seine Reichweite und Komfort punkten. Beide Kriterien dürften beim Model 3 weitaus weniger großzügig ausfallen. Die Reichweite gibt Tesla mit bis zu 345 Kilometern an – wenn dieser Wert unter Realbedingungen erzielt werden würde.

  • Supercharger-Limitierung

Das Model 3 wird am Supercharger geladen werden können. Allerdings nicht unbegrenzt kostenfrei. Gebrauchte Tesla Model S können – sofern bis zum 20. Mai 2017 bestellt – unbegrenztes Laderecht an allen EU-Supercharger-Stationen geladen werden. Diesen Bonus wird das Model 3 nicht haben, genau wie die Model S, die nach dem 20. Mai 2017 bestellt wurden. Für jetzt bestellte Fahrzeuge bietet Tesla 400 kWh am Supercharger pro Jahr kostenfrei an. Besonders für Vielfahrer ein Argument pro gebrauchtem Model S.

  • Vollautonomes Fahren (Level 5) mit dem Model 3 möglich?

Ein vollautonomes Fahren wird auch mit dem Tesla Model 3 vermutlich nicht möglich sein. Dafür fehlt einfach die adäquate Technik. Auf der Autobahn ist der Verkehr weniger komplex und es sind weniger präzise Messtechnologien möglich, im Stadtverkehr ist die Technik aber nicht alltagstauglich und wird es auch zum Start des Model 3 nicht sein. Wer vom vollautonomen Fahren beim Model 3 träumt und deshalb wartet, sollte also realistisch bleiben. Auf dem World Government Summit im Februar 2017 erklärte Elon Musk, dass der Umstieg auf vollautonomes Fahren innerhalb der nächsten zehn Jahre beginnt. Neue Tesla bieten gegen 10.500 Euro Aufpreis nicht nur eine „verbesserte Autopilot-Funktionalität“, sondern auch „volles Potenzial für autonomes Fahren“, was mindestens Autonomiestufe 4 entspricht. Im Oktober 2016 sprach Musk sogar von Autonomiestufe 5. Um vollständig autonomes Fahren zu ermöglichen, müssten einige Fahrzeuge aufgerüstet werden. Im aktuellen Tesla Model S ist der KI-Computer Nvidia Drive PX 2 verbaut, Nvidia stellt klar, dass zum vollautonomen Fahren mehrere Computer dieser Art benötigt würden. Zum Start des Tesla Model 3 wird es wohl kein vollautonomes Fahren (Autonomiestufe 5) geben, denn auch die Zulassungsprozesse sind langatmig. Die derzeit verbaute Technik soll laut Musk zwar das Potential haben, das menschliche Fahrverhalten zu übertreffen – Kosten zur Nachrüstung müsse der Konzern aber wohl selbst tragen, schließlich habe man bei den aktuellen Modellen den Kunden schon „volles Potenzial für autonomes Fahren“ versprochen bzw. verkauft. Im Tesla Model 3 sind acht Kameras und zwölf Sensoren verbaut, es hat ein Radarsystem und mehr als zehn Tera-Ops Rechenpower.